1. Gewerbe anmelden
Sobald du regelmäßig und mit Gewinnabsicht vermietest, bist du gewerblich – unabhängig davon, ob es ein oder fünf Fahrzeuge sind. Die Gewerbeanmeldung erfolgt beim Gewerbeamt deiner Gemeinde (meist 20 bis 60 Euro), als Tätigkeit reicht „Vermietung von Wohnmobilen“. Das Finanzamt meldet sich danach mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Bei Einzelvermietern ist die Rechtsform meist Einzelunternehmen; ab mehreren Fahrzeugen lohnt ein Gespräch mit dem Steuerberater über eine GmbH oder UG, vor allem wegen der Haftung.
2. Versicherung: Selbstfahrervermietfahrzeug
Der wichtigste und am häufigsten unterschätzte Punkt. Eine normale Kfz-Versicherung deckt gewerbliche Vermietung nicht; du brauchst eine Versicherung für Selbstfahrervermietfahrzeuge (SFV) mit Haftpflicht und Vollkasko. Übliche Selbstbeteiligungen liegen zwischen 1.000 und 2.500 Euro, die du über die Kaution beim Mieter absicherst. Kläre außerdem: Fahrerkreis (Mindestalter, Führerscheindauer), Auslandsdeckung, Nutzungsausfall und Glas-/Reifenschäden. Spezialisierte Makler kennen die wenigen Versicherer, die SFV für Wohnmobile anbieten.
3. Zulassung und Technik
- Das Fahrzeug muss als Selbstfahrervermietfahrzeug zugelassen sein (Eintrag in der Zulassungsbescheinigung Teil I); das erhöht Steuer und Versicherung, ist aber Pflicht.
- Hauptuntersuchung bei Vermietfahrzeugen jährlich, Gasprüfung alle zwei Jahre – beides muss zur Übergabe gültig sein.
- Ausstattung dokumentieren: Inventarliste mit Fotos, damit fehlende Teile bei der Rückgabe belegbar sind.
- Winterreifen, Warndreieck, Warnwesten, Verbandkasten, Feuerlöscher: die Grundausstattung gehört ins Übergabeprotokoll.
4. Steuern: Umsatzsteuer und Abschreibung
Vermietungsumsätze unterliegen der Umsatzsteuer von 19 Prozent. Die Kleinunternehmerregelung (bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz) klingt verlockend, kostet dich aber den Vorsteuerabzug aus dem Fahrzeugkauf – bei einem 60.000-Euro-Wohnmobil sind das rund 9.500 Euro. Rechne das mit dem Steuerberater durch. Das Fahrzeug wird über die Nutzungsdauer abgeschrieben; Reparaturen, Versicherung, Steuer, Stellplatz und Software sind Betriebsausgaben. Kaution ist kein Umsatz, sondern eine durchlaufende Sicherheit – auf der Rechnung getrennt ausweisen.
5. Mietvertrag, AGB und Kaution
- Der Mietvertrag regelt Mietzeit, Preis, Kaution, Selbstbeteiligung, Fahrerkreis, Kilometerbegrenzung, Verbotenes (Festivals, Wintersport ohne Ketten, Untervermietung) und den Umgang mit Schäden und Bußgeldern.
- AGB lohnen sich ab dem ersten Kunden; eine anwaltliche Prüfung kostet einmalig ein paar hundert Euro und schützt bei jedem Streitfall.
- Die Kaution sollte die Selbstbeteiligung der Vollkasko abdecken – üblich sind 1.000 bis 2.500 Euro, per Überweisung vor Abholung oder in bar bei Übergabe.
- Verbrauchern steht bei Fernabsatz grundsätzlich kein Widerrufsrecht bei Fahrzeugvermietung zu einem bestimmten Termin zu (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB); trotzdem klare Stornobedingungen festlegen.
6. Preise kalkulieren
Der Tagespreis muss Abschreibung, Versicherung, Steuer, Stellplatz, Wartung, Reinigung und deine Arbeitszeit decken – bei realistischer Auslastung von 100 bis 140 Miettagen im Jahr. Wie du das rechnest, zeigt unser Ratgeber zur Preiskalkulation. Ergänze eine Servicepauschale für Reinigung und Einweisung, Saisonpreise und eine Mindestmietdauer in der Hochsaison.
7. Der Ablauf: von der Anfrage bis zur Rückgabe
- Anfrage beantworten – innerhalb weniger Stunden, sonst bucht der Kunde woanders.
- Angebot mit Gesamtpreis, Kaution und Stornobedingungen senden.
- Buchungsbestätigung nach Anzahlung (üblich 20 bis 30 Prozent).
- Restzahlung vor Abholung, Kaution vor oder bei Übergabe.
- Übergabe mit Protokoll, Fotos, Einweisung (Gas, Wasser, Toilette, Strom) und Unterschrift.
- Rückgabe mit Protokoll, Kilometer, Tank, Schadensabgleich und Kautionsabrechnung.
- Rechnung stellen, Kaution zurückzahlen oder Abzüge belegen.
Genau diesen Ablauf bildet Camper Office ab – mit KI-Antworten auf Anfragen, automatischen Angeboten und dem digitalen Übergabeprotokoll am Handy.
Häufige Fehler von Einsteigern
- Private Kfz-Versicherung „erstmal“ weiterlaufen lassen – im Schadensfall ohne Deckung.
- Keine Mindestmietdauer in der Hochsaison – Wochenendbuchungen blockieren die lukrativen Wochen.
- Übergabe ohne Fotos – jeder Kratzer wird zur Diskussion.
- Preise nur am Wettbewerb orientiert statt an den eigenen Kosten.
- Anfragen erst am Abend beantwortet – Kunden buchen beim Schnelleren.