Ratgeber · mit Beispielrechnung

Preise für die Wohnmobilvermietung kalkulieren

Der Tagespreis vom Wettbewerber sagt nichts über deine Kosten. So rechnest du vom Fahrzeug bis zum Saisonpreis – und weißt, ab wie vielen Miettagen sich dein Wohnmobil trägt.

Schritt 1: Jahreskosten des Fahrzeugs

Sammle alle Kosten, die anfallen, ob vermietet wird oder nicht. Für ein neues Kastenwagen-Wohnmobil (Kaufpreis 65.000 Euro netto) sieht das typischerweise so aus:

PostenPro Jahr
Abschreibung / Wertverlust (ca. 12 % p. a.)7.800 €
Versicherung Selbstfahrervermietfahrzeug2.400 €
Kfz-Steuer400 €
Stellplatz900 €
Wartung, HU, Gasprüfung, Reifen1.800 €
Software, Marketing, Website1.200 €
Finanzierungszinsen1.500 €
Summe Fixkosten16.000 €

Schritt 2: Realistische Auslastung

Die Hochsaison (Juni bis September) ist meist ausgebucht, Nebensaison und Winter kaum. Realistisch sind im ersten Jahr 90 bis 110 Miettage, bei etablierten Vermietern 120 bis 150. Rechne konservativ: Bei 110 Miettagen müssen die 16.000 Euro Fixkosten mit rund 145 Euro pro Miettag gedeckt werden – ohne Gewinn und ohne deine Arbeitszeit.

Schritt 3: Variable Kosten und Arbeitszeit

  • Reinigung innen und außen: 1,5 bis 3 Stunden je Vermietung – über eine Servicepauschale (80 bis 150 Euro) abdecken, nicht über den Tagespreis.
  • Übergabe und Rückgabe mit Einweisung: rund 1,5 Stunden je Vermietung.
  • Anfragen, Angebote, Verträge, Rechnungen: ohne Software 1 bis 2 Stunden je Buchung.
  • Verschleiß pro Kilometer (Reifen, Bremsen): 3 bis 5 Cent – über inkludierte Kilometer plus Mehrkilometerpreis (0,25 bis 0,40 Euro) regeln.

Schritt 4: Saisonpreise und Mindestmietdauer

Aus Kostendeckung plus Gewinn ergibt sich ein Durchschnittspreis; die Saisonstaffel verteilt ihn. Beispiel für den Kastenwagen: Nebensaison 95 Euro, Zwischensaison 125 Euro, Hochsaison 165 Euro pro Tag, dazu 120 Euro Servicepauschale je Buchung. In der Hochsaison eine Mindestmietdauer von 7 Tagen (Übergabe samstags) – sonst blockieren Wochenendbuchungen die wertvollen Wochen. Frühbucher- und Langzeitrabatte (ab 14 oder 21 Tagen) füllen Zwischensaison und Lücken.

Schritt 5: Kaution und Zusatzleistungen

  • Kaution in Höhe der Selbstbeteiligung (1.000 bis 2.500 Euro) – kein Umsatz, aber ein Argument für Vertrauen, wenn sie nach Rückgabe innerhalb weniger Tage zurückfließt.
  • Zubehör: Fahrradträger, Campingmöbel, Bettwäsche, Kindersitze, Gasflasche – je Buchung oder je Tag berechnet. Das sind oft 5 bis 10 Prozent zusätzlicher Umsatz.
  • Optionale Reduzierung der Selbstbeteiligung gegen Aufpreis (nur wenn die Versicherung das trägt).

Beispielrechnung: Was bleibt übrig?

Betrag
110 Miettage zu Ø 135 € Tagespreis14.850 €
22 Buchungen × 120 € Servicepauschale2.640 €
Zubehör und Mehrkilometer1.400 €
Umsatz netto18.890 €
abzüglich Fixkosten−16.000 €
abzüglich Reinigung/Verbrauchsmaterial (22 × 60 €)−1.320 €
Ergebnis vor deiner Arbeitszeit1.570 €

Das erste Fahrzeug ist selten ein Gewinnbringer – Marge entsteht ab dem zweiten und dritten Fahrzeug, weil Software, Marketing, Stellplatz und deine Prozesse sich verteilen. Wer den Verwaltungsaufwand je Buchung von zwei Stunden auf zwanzig Minuten senkt, verdient an jeder weiteren Buchung mit.

Häufige Fragen

Soll ich meine Preise brutto oder netto angeben?

Gegenüber Privatkunden musst du Endpreise inklusive 19 % Umsatzsteuer nennen. Intern kalkulierst du netto.

Wie viele Kilometer sollte ich inkludieren?

Üblich sind 200 bis 300 Kilometer pro Tag oder eine Wochenpauschale von 1.500 bis 2.000 Kilometern, darüber 0,25 bis 0,40 Euro je Kilometer.

Lohnt sich eine Wochenendvermietung in der Nebensaison?

Ja, wenn Servicepauschale und Mindestpreis die Reinigung und Übergabe decken. In der Hochsaison dagegen Mindestmietdauer setzen.

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